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Aufsatz ueber Farbe, Abschn. 3, "Technik: Farben ermischen" (Fortsetzung)

3.2 Subtraktive Farbmischung
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Ein Buendel von Lichtstrahlen, das verschiedene Wellenlaengen enthaelt, kann man durch ein Filter treten lassen. Dort werden einige Wellenlaengen mehr gedaempft als andere; die Farbe des Buendels wird veraendert.

Wichtig festzustellen: Diese Filter sind "passiv", sie koennen nur daempfen, die Leistung im Buendel wird vermindert.

Wenn wir zwei Filter so hintereinanderlegen, dass das Buendel durch beide nacheinander hindurchmuss, dann wird das zweite Filter die Buendel-Leistung noch weiter mindern. Und das zweite Filter kann dies bei anderen Wellenlaengen tun.

Zwei verschiedene Filter hintereinanderzuschalten wird also immer dazu fuehren, dass die resultierende Bandbreite und Leistung weiter eingeengt wird. Das hat anscheinend dazu gefuehrt, diesen Vorgang eine "subtraktive" Farbmischung zu nennen. (Obwohl natuerlich die Daempfung mathematisch mit Daempfungsfaktoren beschrieben wird. Und diese sich miteinander multiplizieren, wenn man Filter hintereinanderschaltet.)

Wenn Sie jetzt den Bandbreite-mindernden Effekt des subtraktiven Mischens kennen, dann verstehen Sie auch, dass man fuer's subtraktive Mischen vorzugsweise breitbandige Grundfarben waehlt. Besonders gut eingefuehrt sind die subtraktiven Grundfarben C(yan), M(agenta), und Y(ellow).

Das naechste Bild zeigt, wie sie sich miteinander mischen.

   Bild 3.2-a: Subtraktives Mischen von CMY (30 kByte)

Wichtig in Bild 3.2-a ist der weisse Hintergrund. Er soll zeigen, dass ausserhalb der farbigen Flecke alles Licht durchgelassen wird; die Flecke entstehen durch Filter oder aufgedruckte Farbe auf einer sonst ganz weissen Flaeche.

In Bild 3.2-a wollen Sie bitte ausserdem beachten:

* Die (subtraktiven) Mischungen ersten Grades von C, M, Y mit jeweils 100% Saettigung sind genau die Grundfarben R(ot), G(ruen), B(lau) fuer's additive Mischen (Abschn. 3.1).

* Mischt man gleiche Betraege von   C + M + Y ,   so bekommt man farbloses Schwarz (oder Grau).

* Weiss erhaelt man bei   C = M = Y = 0 .

* In Bild 3.2-a sind Cyan und Magenta und Yellow alle mit 100% Saettigung dargestellt; Mischungen, bei denen sich die Saettigungen ueber C und M und Y aendern, erreichen alle uebrigen darstellbaren Farben.


Um diese Mischregeln aus dem Wellenlaengen-Gesichtswinkel heraus zu verstehen, wollen Sie bitte nochmal Bild 2.3 ansehen, das in Abschn.3.1 gezeigt ist.


Wie und wo wird subtraktive Farbmischung verwendet?

Vermutlich das groesste Anwendungsgebiet ist Farbdruck.
Egal, ob man "desk-top"-Farbdrucker benutzt, Farbkopierer, Rotationsdruck-, Offset-Druck- oder Buchdruck-Maschinen oder "print-on-demand"-Systeme: sie alle benutzen C M Y-Grundfarben.

Ueblicherweise wird die Saettigung der gedruckten Farbe eingestellt mit dem Flaechendeckungsfaktor eines Rasters. Diese Technik ist schon seit den Anfaengen des Graubilddruckes (Klischeedruckes) bekannt.
Zum Mischen der Farben werden zwei oder mehr gerasterte Farben auf dieselbe Stelle gedruckt.
Wegen Unvollkommenheiten in Tinten und Tonern sind C und M und Y weit von dem Ideal entfernt, das in Bild 2.3 (oben) in Abschn. 3.1 gezeigt ist. Die unangenehmste Folge: Schwarz zu druckende Stellen ergeben sich als braun, blaeulich oder gruenlich. Deswegen hat man sich entschieden, Schwarz als vierte Druckfarbe einzufuehren. Eine nicht einfache Entscheidung, braucht doch jede neue Farbe ihr eigenes Druckwerk in der Druckmaschine.
Noch mehr Aufwand wird im Kunstdruck getrieben: Dort werden 7 und mehr Druckfarben gleichzeitig verdruckt; siehe Abschn. 3.3, "herstellbare Mischungen".

Ein Beispiel von farbigem Zeitungsdruck (Werbezeitschrift der beruehmten schweizer Einzelhandelsgenossenschaft "Migros") zeigt das naechste Bild:

   Bild 3.2-b: Farbdruck-Beispiel (195 kByte)


Auf der linken Seite ist das Druckbild in normaler Groesse.
Neben einem Tisch mit exotischen Fruechten und neben Text sieht man sogenannte Passmarken.
Mithilfe dieser Marken prueft der Handwerker an der Druckmaschine den Synchronismus aller 4 Druckwerke zueinander. (In etwas anspruchsvolleren Anwendungen werden die Passmarken nach dem Druck weggeschnitten.)

Auf der rechten Seite ist ein Ausschnitt aus diesen Passmarken vergroessert. Von unten nach oben sieht man:
* einen Rest der cyanfarbenen Passmarke, dann
* die magentafarbene Passmarke mit Raster-Flaechendeckungen von 2 - 3 - 5 - 8 %
* und dasselbe wiederholt in Gelb.
* Darueber erweist sich der "graue" Streifen als zusammengesetzt aus cyanfarbenen, magentafarbenen und gelben Farbpunkten ... ein einfaches Kriterium fuer gute Farbbalance.


Fuer's Drucken sind die Farben CMY genormt, z.B. in DIN 16539, Euro-Farbskala fuer den Offsetdruck. Wenn ich allerdings Abschn. 3.4, Metamerie bedenke, dann verstehe ich nicht, warum die Normen keine spektrale Definition der Farben geben, sondern nur Tristimulus-Werte nennen.

Ein paar weitere Anwendungsbeispiele der subtraktiven Farbmischung:
* Lacke und Anstrichfarben aller Art,
* Gemaelde,
* ("altmodische") nass-chemische Fotografien und Filme.


Alle subtraktiv mischbaren Faerbemittel (z.B. Tinten, Toner, Anstrichfarben) werden in einer von 2 moeglichen Versionen geliefert:
Opak oder transparent.

Opake Faerbemittel enthalten einen nennenswerten Anteil an Pigmenten:
* Entweder weisse oder schwarze Pigmente (um niedrigere Farbsaettigung einzustellen).
* Oder Pigmente, die den Farbton selbst tragen.
Filme mit opaken Faerbemitteln koennen auf fast beliebig farbige Unterlagen aufgebracht werden. Weil sie opak sind, ist das Durchscheinen des Substrats oft vernachlaessigbar. Substrat mit Film kann sogar heller sein, als ohne.

Transparente Faerbemittel sind klare Farbstoffloesungen.
Filme dieser Faerbemittel arbeiten optisch mit ihrem Substrat zusammen. Sie arbeiten wie ein klares Glasfilter auf dem Substrat. Die Substratstruktur scheint durch. Substrat mit Film ist stets dunkler, als ohne. (Ausnahmen sind nur ein paar Faerbemittel, die fluoreszieren).


Link List und Literatur
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Gegenstand benutzt in Quelle
C M Y subtraktiv mischen Bild 3.2-a metacolor
C M Y K - Druck Bild 3.2-b "Brueckenbauer, Wochenzeitung der MIGROS"
Dez. 2002;   www.brueckenbauer.ch







Fortsetzung: 3.3, Bereiche herstellbarer Mischungen
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Letzte Aenderung 4.4.2003, 22:32