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OBJEKTIVE PROFESSIONELL ANGEWANDT (Fortsetzung)


11. Umgedrehtes Objektiv
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In den Abschnitten 3, 4 und 6 dieses Aufsatzes habe ich ueber "Verzeichnung", "Aufloesung" und "Farbkorrektion" gesprochen.
Ich habe es schon angedeutet und ich betone es hier nochmal: Dies sind "kostbare" Parameter insofern, als sie sehr viel Geld kosten koennen beim Entwurf, bei der Herstellung und folglich auch beim Kauf eines Objektivs.

Wenn wir also ein wirklich gutes Objektiv brauchen, dann sollten wir es auch so anwenden, dass diese Qualitaetsparameter ausgenutzt werden. Das heisst vor allem: Ein Objektiv immer bei der Vergroesserung benutzen, fuer die es entworfen wurde.

(Wenn jemand Ihnen ein Objektiv anbietet und die optimale Vergroesserung nicht nennen kann, seien Sie vorsichtig. Entweder kennt er sein Produkt nicht, oder das Produkt taugt nicht viel.)

Natuerlich gibt es einen Bereich von Vergroesserungen, innerhalb derer das Objektiv vernuenftig arbeitet. Sie kennen diese Foto-Objektive, die von 0,6m bis Unendlich arbeiten ... und das sogar recht ordentlich.
Aber es gibt Grenzen. Wenn Sie naeher als 0,6m an Ihren Gegenstand herangehen, koennen Sie zwar wieder optimale Schaerfe Ihres Fotos einstellen, indem Sie zwischen Kamera und Objektiv einen Zwischenring einfuegen (und so die Bildweite laenger machen). Wenn Sie das zu weit treiben, stellen Sie aber fest: die "optimale" Schaerfe ist keite gute Schaerfe mehr; Verzeichnung tritt auf; mangelnde Farbkorrektion wird sichtbar.

Jetzt ueberrascht uns der erfahrene Fotograf: Er loest das Objektiv von der Kamera und schraubt es umgedreht mit dem Filtergewinde wieder an die Kamera.
Was soll das?   --   Schauen wir uns mal Bild 11 an!



Bild 11: Strahlen umkehren (17kByte)

Ein Grundsatz der (konventionellen) Optik lautet:
"Wenn ein Strahl sich fortpflanzt
von A (ueber B, C, D) nach E,
dann kann ein Strahl sich genausogut fortpflanzen
von E (ueber D, C, B) nach A."

Indem man diesen Grundsatz anwendet, gelangt man von der Oberhaelfte von Bild 11 zur Unterhaelfte. Unter Beibehalt all der Objektivkorrektionen (gegen Verzeichnungs-, Aufloesungs- und Farbfehler), fuer die Sie teuer bezahlt haben.

Auf diese Weise kann man ein Objektiv, das fuer die Vergroesserung   m = 20   entworfen wurde, genausogut benutzen fuer   m = 1/20 = 0,05   und so weiter.

Nur bitte aufpassen: man darf nicht einfach das Objektiv vorwaerts wie rueckwaerts verwenden. Aber:
man darf immer den Gegenstand austauschen gegen das Bild
solange man
das kleine Feld auf der "kleinen" Seite des Objektivs
und das grosse Feld auf der "grossen" Seite des Objektivs behaelt.


Hier ist das Ende meines Aufsatzes "OBJEKTIVE PROFESSIONELL ANGEWANDT".
Ich hoffe, er hat Ihnen gefallen; und vor allem: er moege Ihnen nuetzen.

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Letzte Aenderung 15.1.2003 12:06