Sie sind hier: DAD-opto.de  -->  home/deutsch  -->  Inhalt  -->  Beispieltexte  -->  Objektivanwendung  -->  Abschn. 8


OBJEKTIVE PROFESSIONELL ANGEWANDT (Fortsetzung)


8. Zulaessige Fehler
--------------------
Was heisst "Fehler" in unserem Zusammenhang? Gemeint sind Unvollkommenheiten in Fenstern, Spiegeln, Prismen, Linsen, also allgemein in optischen Bauteilen.

Ein paar Beispiele, wie solche Fehler sogar innerhalb von Glas auftreten koennen, zeigt das Bild.

Beispiele fuer Fehler im Glas

Zunaechst beabsichtigt man ja optische Flaechen ideal glatt und sauber. Und optisches Glas denkt man sich erstmal ideal homogen.
Sorgfaeltig hergestellte Bauteile haben tatsaechlich keine sichtbaren Fehler und sehen einfach wunderbar aus.

Aber voellige Fehlerfreiheit heisst immer Kostenmaximum; unerwuenscht bei industriellen Vorgaengen.
Deswegen werden wir jetzt erstmal die denkbaren Fehler-Arten ansehen. Danach ueberlegen wir, welche Fehler wo im Strahlengang maximale oder minimale Stoerung verursachen. Damit wir ein Gefuehl bekommen, wo man sich welche Fehler eher leisten kann.


8.1 Die verschiedenen Fehler-Arten
----------------------------------

a) Amplitudenfehler
Diese Fehler absorbieren und/oder reflektieren Licht  und/oder sie verursachen Streulicht.

Beispiele sind Koerner ("Gemengesteine", Bild 8 links) im Glas und Farbspritzer und Staubkoerner aussen auf dem Bauteil.


b) Phasenfehler
Diese Fehler brechen das Licht.

Beispiele sind Schlieren (Bild 8 rechts)  und Kruemmungs- oder Ebenheitsfehler wie Wuelste.
Schlieren kennen Sie doch? - Sie sind verursacht durch lokale Schwankungen der Dichte bzw. des Brechungsindex'. Sichtbar werden sie in kritischer Dunkelfeldbeleuchtung.


c) Mischfehler
Das Klassifizieren in "Amplituden-" und "Phasen-" Fehler kann schwierig werden. Sehr viele Fehler zeigen sowohl Amplituden-, als auch Phasen- Wirkungen. Die obenstehende Klassifizierung kann also nur den jeweils vorherrschenden Effekt beruecksichtigen.
Besonders deutlich beide Effekte zeigen aber Blaeschen (Bild 8 Mitte), Kratzer und Gruebchen sowie Fingerabdruecke.


8.2 Wirkung der verschiedenen Fehlerarten
-----------------------------------------
Dieselben Fehler koennen extrem unterschiedlich auf das Bild einwirken ... je nachdem, an welchem Ort sie im Abbildungs-Strahlenbuendel (siehe Bild 1.1 in Abschnitt 1.1 und siehe Bild 10 in Abschnitt 10) auftreten:

A) Gegenstandsebene  O  und Bildebene  O' :
Amplitudenfehler haben maximale Wirkung. Sie werden im Bild wiedergegeben und sind vollkommen sichtbar.
Phasenfehler haben fast keine Wirkung.


B) Hauptebene  H :
Phasenfehler haben maximale Wirkung. Sie zerstoeren die Bildschaerfe (MTF). Das wird z.B. in "Weichzeichnern" ausgenutzt.
Und sie koennen Verzeichnungen beliebiger Art einfuehren.
Amplitudenfehler haben fast keine Wirkung; abhaengig vom Flaechenfuellfaktor vermindern sie einfach die Bildbeleuchtungsstaerke.
Obwohl natuerlich Streulicht auftreten kann, wodurch der Bildkontrast und damit die MTF verschlechtert wuerde.


C) Dazwischenliegende Positionen:
Man bekommt auch dazwischenliegende Wirkungen; die Einfluesse nach A) und B) vermischen sich.
Schreitet man fort von   O  oder von  O'  nach  H , dann werden
- Amplitudenfehler mehr und mehr unscharf, waehrend
- Phasenfehler mehr und mehr Einfluss gewinnen.
Fuer quantitative Ergebnisse muessten Sie eine Versuchsreihe durchfuehren. Oder bitten Sie Ihren Objektiventwickler, dass er ein nicht-sequentielles "Raytracing" mit statistischer Auswertung fuer Sie macht.



Fortsetzung: 9. Buendelgestalt     Inhalt (ganzer Aufsatz)    Inhalt (ganze Website)

Letzte Aenderung 26.7.2004 23:47